SIG-Weiterbildungstagung zum jüdischen Religionsunterricht

Die jährliche Weiterbildungstagung des Ressorts Jugend und Gemeinden des SIG für jüdische Religionslehrerinnen und Religionslehrer fand vergangenen Sonntag im Haus der Jüdischen Jugend in Zürich statt. 25 Unterrichtende der jüdischen Gemeinden in Zürich, Basel, Bern, Winterthur und Lausanne nahmen an der Tagung teil, welche sich dieses Jahr den Themen „Tora unterrichten“ und „Theologische Fragen von Kindern“ widmete. Rabbiner Prof. Howard Deitcher, Leiter des Melton Center for Jewish Education an der Hebrew University in Jerusalem und Gastreferent der Tagung erwies sich als hervorragender Redner und Ausbildner, dessen Impulse von den Teilnehmenden begeistert aufgenommen wurden und sicherlich in der Erziehungsarbeit der Gemeinden zum Tragen kommen werden. Prof. Deitcher machte etwa darauf aufmerksam, dass laut Auswertung gängiger Lehrmittel zum Tenach-Unterricht über 80% des Inhalts auf Verständnisfragen beschränkt sei und die Interpretation und Werte-Diskussion praktisch vernachlässigt werde. Er ermutigte die Teilnehmenden auch ohne genaue Kenntnis des hebräischen Textes SchülerInnen auf allen Stufen mit den grossen Fragen der Tora zu konfrontieren. Dies ist besonders wichtig, weil viele jüdische Kinder den Religionsunterricht nur bis zum Alter von 12 Jahren besuchen. Anhand des ersten Kapitels des Buches Schmuel (Chanas Kinderlosigkeit) erarbeiteten die Teilnehmenden die von Deitcher präsentierte Methode der Text- und Charakteranalyse. Es zeigte sich, wie wertvoll das gemeinsame Ringen um eine befriedigende (und nicht eine „richtige“) Interpretation des Textes ist. Im Midrasch-Workshop wurde dies anhand der Fülle von (auch sich widersprechenden) Midraschim illustriert. Deitcher betonte, dass der Midrasch ein hervorragendes Mittel für den Tenach-Unterricht sei und zeigte mit einfachen Mitteln, wie SchülerInnen selber Lücken im Tora-Text füllen können.

Im Workshop „Theologische Fragen von Kindern“ wies Deitcher darauf hin, dass sich Kinder durchaus mit Fragen nach Gott, dem Bösen, dem Wahrheitsgehalt der Tora oder dem Tod auseinandersetzen und nach Antworten suchen. Er gab Einblick in eine Methode, wonach die Komplexität der Fragen den Kindern stufengerechet aufgezeigt wird. Schliesslich konnten die Lehrerinnen und Lehrer in einer Fragerunde eigene Probleme aus der Schulpraxis diskutieren, wobei sich die Teilnehmenden länger mit der Frage befassten: Soll man Kinder, welche aus nichtreligiösen Familien kommen, in Halacha unterrichten. An dieser Stelle sei Ruth Gellis, ICZ und Rabbiner Yaron Nisenholz, IGB für die Mitorganisation der Tagung gedankt und dem Team des Hauses für die Jüdische Jugend für die perfekte Gastfreundschaft. EP