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Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG)
Eröffnungsfeier vom Mittwoch, den 4. Mai 2005 Eintragung ins "Goldene Buch" Dankes-Adresse von Dr. h.c. Michael Kohn A. Ein Zürcher in Basel 1. Dankeschön Vorerst möchte ich dem Präsidenten und der Geschäftsleitung des SIG für die Ehrung danken, mich ins "Goldene Buch des SIG" einzutragen. Ich empfinde grosse Freude. 2. Begegnungen in Basel Es ist eine glückliche Fügung, dass meine Ehrung hier in Basel stattfindet. Sie gibt mir Gelegenheit, all die Begegnungen und Berührungen Revue passieren zu lassen, die mich näher an Basel herangebracht haben. a) Da ist einmal Basel als Geburtsort des politischen Zionismus, der die Grundlage für die Gründung des Staates Israel und die Rückkehr der Juden in die Weltgeschichte gelegt hat. Der zionistische Gedanke hat mich damals und auch seither immer gepackt: Er gab mir Rückgrat und Selbstsicherheit. Nicht ganz komfortabel fühle ich mich allerdings, wenn ich aus dem Dunstkreis des SIG manchmal die Meinung höre, der SIG vertrete die Interessen der Juden in der Schweiz, aber nicht die des Staates Israel. Bei dieser scharfen Trennung habe ich ein ungutes Gefühl. Natürlich vertritt der Staat Israel seine Anliegen selber durch seine Regierung, seine Behörden, seine Botschafter und seine Institutionen. Und wir in der Diaspora können loben oder kritisieren. Aber wenn es um die Existenz dieses Staates geht, um seine Sicherheit und um seinen jüdischen Charakter, dann vertreten die Juden in aller Welt, auch die im SIG, die Interessen dieses Staates, weil es auch ihre eigenen Interessen sind. b) Thora habe ich in Basel auch anders erlebt: Im Hause Austrasse 16, bei Marcus und Rose Cohn. Hier habe ich aus eigener Anschauung erlebt, wie jüdisches Wissen und jüdische Frömmigkeit Hand in Hand gingen, mit Geist und Kultur. Ich fühlte mich dort wohl. c) Es gab noch andere erfreuliche Begegnungen, aber auch unliebsame. Es gab Momente, wo ich mich fast nicht mehr nach Basel traute. Da bliess mir ein kalter, bissiger Wind entgegen. So war es, als ich als Initiant des Kernkraftwerks Kaiseraugst jeweils in diese Stadt kam. Da traf ich auf harten Widerstand. Kopf dieses Widerstands war ein Mann, mit dem mich heute ein freundliches Verhältnis verbindet und der hier im Saale anwesend ist: In der Politik gibt es immer pro und contra. Da gab es einen anderen Politiker, der für Kaiseraugst einstand und auf meiner Seite war. Auch er ist anwesend: 3. Im Wandel der Zeit: auch das Organisatorische Versöhnt habe ich mich auch mit dem SIG und mit seiner damaligen Elite. Nicht, dass wir uns etwa gestritten hätten, aber eine grosse Liebe war es auch nicht. Im Wandel der Zeit haben sich die Einsichten allerdings gewandelt. Bei wichtigen Verbänden, bei Non Profit-Organisationen, bei den NGO's, aber auch beim SIG wird emsig über die fällige Straffung der Organisation nachgedacht. Aus Kostengründen braucht es eben Effizienz - in verdaulichem Tempo. Und der SIG hat Lehren gezogen: Er fährt nicht mehr Topolino, er fährt auch noch nicht Cadillac, aber er fährt einem robusten Geländewagen und windet sich damit durch das Dickicht der jüdischen Politik. B. Stärkung nach Innen, Öffnung nach Aussen Um auf seiner Gymkhana besser durchzukommen, sollte sich der SIG eine bewährte Verhaltensregel zu eigen machen: "Stärkung nach Innen, Öffnung nach Aussen". Während meiner Amtszeit hatte ich dieses Motto lanciert und bin erfreut, dass Präsident Donath dieses Hausrezept mit Engagement anwendet. Öffnung nach aussen heisst Mitwirkung der Juden als integrierte Bürger dieses Landes in der Res publica, an der Diskussion von Tages- und Zukunftsfragen im Quartier, in der Stadt, im Kanton, im Bund. Was sagte der damalige aargauische Landammann Augustin Keller anlässlich der Emanzipation der Juden im Aargau in den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts? "Nehmet Anteil an den Geschicken dieses Landes!" Wichtiger ist mir heute zum Abschluss meiner Ehrung das Postulat von der Stärkung nach innen. Dazu gehört das innerjüdische Gespräch. Wir haben die gleiche Religion, aber nicht immer die gleiche Sprache. Wir sollten uns besser kennen lernen, die Mauern fallen lassen, die unsere Gemeinden, Zirkel und Minjanim oft meterdick umgeben. Wir sollten mehr auf Gemeinsames als auf Trennendes achten. Wir Schweizer Juden sollten nicht nur eine Religionsgesellschaft, sondern auch eine Kommunikationsgesellschaft sein. Was uns alle, liebe Freunde, Kollegen und Weggefährten schliesslich verbindet, ist die Tradition und das Gefühl eines gemeinsamen Schicksals. Tradition aufrechterhalten heisst jedoch nicht, die Asche aufbewahren, sondern das Feuer am Leben erhalten, das uns über die Jahrtausende beseelt hat. Wir sollten nicht Juden sein, weil es Antisemitismus gibt, sondern weil wir Juden sind. Wir sollten nicht erst Juden werden, wenn es unsere Gegner so wollen, sondern Juden sein, weil wir eine Geschichte, einen Glauben und ein Wertsystem zu verteidigen haben. |