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Grusswort von Regierungspräsident Dr. Ralph Lewin
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen Ich freue mich, Ihnen heute an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes die besten Grüsse und Wünsche des Baselstädtischen Regierungsrates, der Behörden und der Bevölkerung überbringen zu dürfen. Es ist für mich eine spezielle Ehre, hier sprechen zu dürfen. Einerseits natürlich, weil ich selbst Mitglied der Israelitischen Gemeinde Basel bin. Andererseits aber auch, weil wir heute gleich 3 Jubiläen zusammen feiern dürfen. Die 100. Delegiertenversammlung des SIG und das 200 Jahr-Jubiläum der Israelitischen Gemeinde Basel, das wir kürzlich mit einem besinnlichen Festakt in der Synagoge feiern durften. Diese beiden Jubiläen sind Ihnen natürlich allen bekannt. Vermutlich kennen aber nur die wenigsten von Ihnen das dritte Jubiläum. Es ist zwar kein grosses aber immerhin: Zum 15. Mal findet nämlich die SIG-Delegiertenversammlung in Basel statt. Erstmals durften wir die Delegierten im Jahre 1911 in unserer Stadt willkommen heissen, die Versammlung fand damals im Israelitischen Gemeindehaus statt, die letzte Delegiertenversammlung in Basel ist 1997 im Hotel Hilton durchgeführt worden - am selben Ort also, wo morgen die 100. Delegiertenversammlung des SIG stattfinden wird. Die Geschichte des SIG ist eng verbunden mit Basel. Als am 27. November 1904 in Baden die "Constitutierende Versammlung" des SIG tagte, stellte Basel mit fünf Delegierten nach Zürich die zweitgrösste Delegation. Und: Basel stellte mit Jules Dreyfus-Brodsky auch den zweiten Präsidenten. Dreyfus-Brodsky löste nach zehn Jahren Hermann Guggenheim ab. Er blieb wesentlich länger im Amt als sein Vorgänger: Erst im Jahre 1936, also nach 22 Amtsjahren, folgte ihm Saly Mayer aus St. Gallen; Dreyfus-Brodsky war bis zu seinem Lebensende Ehrenpräsident des SIG. Der Basler hat tatsächlich sehr viel geleistet: Die Unterbrechung der Koscherfleischeinfuhr während des 1. Weltkrieges löste im SIG eine Krise aus und es war Jules Dreyfuss-Brodsky, der wieder für neuen Schwung im Gemeindebund sorgte. Unterstützung erhielt er dabei auch vom Basler Nationalrat - und ehemaligen freisinnigen Grossratspräsidenten - Emil Göttisheim. Dieser setzte sich für eine kurzfristige Versorgung mit Koscherfleisch ein und organisierte ein Aktionskomitee gegen das Schächtverbot. Tatsächlich erhielt der SIG im Frühjahr 1918 dann auch eine Audienz bei Bundesrat Eduard Müller und konnte sein Anliegen vorbringen. Der Bundesrat erteilte in der Folge vorübergehend die Erlaubnis zum Schächten. Natürlich gab es im Verlaufe der nunmehr 100-jährigen Geschichte des SIG noch viele andere Anknüpfungspunkte mit Basel. So wurde - um nur ein Beispiel zu nennen - der heutige SIG Präsident Alfred Donath hier geboren und feierte vor bald 60 Jahren seine Barmitswa und er hat auch in Basel geheiratet. Gar ein richtiger Basler ist SIG-Generalsekretär, Dennis Rhein, der hier auch jahrelang im Parlament zu den einflussreichsten Politikern gehört hat. Basel ist aber nicht nur mit dem SIG und mit dem Judentum sondern auch mit Israel sehr freundschaftlich verbunden und - das sage ich nicht ohne Stolz - für den Weg des jüdischen Volkes zum eigenen unabhängigen Staat von historischer Bedeutung gewesen ist. Nur wenige Jahre vor der Gründung des SIG fand 1897 in Basel bekanntlich der erste Zionistenkongress statt. Weniger bekannt sind die Gründe, weshalb der Kongress in Basel und nicht, wie ursprünglich geplant, in Zürich stattfand. Sicher ist nur, dass es David Farbstein war, der Theodor Herzl geraten hat, den Anlass nicht in Zürich, sondern in Basel zu organisieren. Zürich galt damals in den Augen der zaristischen Regierung als ein Zentrum der russischen Revolutionäre und Farbstein hoffte, dass den Kongressteilnehmern aus Russland in Basel weniger Probleme entstehen würden. Gerüchteweise heisst es zudem immer wieder, dass für Basel auch die besseren koscheren Restaurants sprachen, diese These liess sich bis heute aber nie erhärten..... Wie auch immer, Herzl schien es in Basel gefallen zu haben, denn er schrieb den Basler Behörden - ich zitiere: "Ich danke den Behörden der Stadt Basel, weil wir keinen besseren Ort finden können und weil ein Band von Dankbarkeit uns mit dieser Stadt verknüpft." Und Herzl hatte grosse Pläne für Basel: bereits ein Jahr nach dem ersten Zionistenkongress wollte er in Basel ein jüdisches "Congresshaus" errichten. Aus diesem Plan wurde zwar nichts, aber insgesamt fanden zehn Zionistenkongresse in Basel statt, der letzte im Jahr 1946, zwei Jahre vor der Gründung des Staates Israel. Das Verhältnis von Basel zu den Juden kann ich aus eigener Erfahrung als positiv bezeichnen. Während meiner unterdessen achtjähriger Amtszeit kam es nur ganz vereinzelt zu antisemitischen Äusserungen aus der Bevölkerung. Insgesamt ist die jüdische Gemeinde sehr gut in Basel verankert. In einer gesamtschweizerischen Beurteilung schliesse ich mich der Aussage des SIG-Präsidenten Alfred Donath an, wonach die Schweiz nicht antisemitisch aber auch nicht ohne Antisemitismus ist. Wir müssen also ganz sicher wachsam bleiben, der SIG ist auch 100 Jahre nach seiner Gründung gefordert. Dies zeigen auch Vorfälle aus der jüngsten Vergangenheit mit antisemitischem Hintergrund . Ich wünsche Ihnen, lieber Alfred Donath, die notwendige Ausdauer und Energie, um die anstehenden Aufgaben anzupacken und den SIG auf Kurs zu halten. Auch Ihnen allen, liebe Delegierte und Gäste, wünsche ich weiterhin alles Gute und natürlich auch einen schönen Aufenthalt in Basel. Wenn jetzt die Zeit noch gereicht hätte, hätte ich Ihnen gerne noch ein wenig über Basel vorgeschwärmt, denn unsere Stadt hat ja wirklich sehr viel zu bieten. Sie ist nicht nur ein bedeutender Forschungs- und Wirtschaftsstandort sondern auch eines der bedeutenden europäischen Zentren für bildende Kunst, in der Sie mehr als 30 Museen finden, darunter einige von Weltrang und - auch nicht unbekannt - natürlich das jüdische Museum der Schweiz. Empfehlen kann ich Ihnen auch einen Bummel durch den Zolli oder durch unsere wunderschöne Altstadt mit ihren vielen gemütlichen Strassencafés. Sie sehen, es fällt mir schwer, nicht über Basel zu schwärmen, ich könnte Ihnen natürlich auch noch sagen, dass unsere Stadt eine Hochburg der Architektur ist, wo unter anderen auch die weltbekannten Architekten Herzog und De Meuron wichtige Akzente gesetzt haben - aber wie gesagt, ich möchte jetzt wirklich zum Abschluss kommen. Wir sind ja auch gespannt auf den Jahresrückblick von Alfred Donath und natürlich auch auf das Referat von Georg Kreis "Im Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus. Eine Bilanz nach 10 Jahren." Ich wünsche Ihnen eine fruchtbare Versammlung und einen schönen, interessanten Aufenthalt in Basel und danke für Ihre Aufmerksamkeit. |