Prof. Dr. René Spiegel

Im Namen des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde Basel, der IGB, heisse ich Sie in Basel und in unserer Gemeinde herzlich willkommen. Wir alle hoffen, dass Sie bei uns einen angenehmen Aufenthalt verbringen und sich an die Delegiertenversammlung 2005 später gern erinnern werden.

Wie Sie wissen, ist das Jahr 2005 für die IGB etwas Besonderes, da wir heuer das 200-jährige Bestehen unserer Gemeinde feiern. Unsere Mitglieder bewegen sich in diesen Wochen und Monaten von einem festlichen Anlass zum anderen: eine wunderbare Eröffnungsfeier, eine Vernissage für den IGB-Jubiläumsband, noch eine Vernissage - diesmal für eine historische Ausstellung, ein festlicher Freitagabend, ein Machane für die Jungen, heute und morgen der SIG-Delegiertentag, im Juni dann eine Kunstausstellung - aus der IGB ist dieses Jahr eine Festgemeinde geworden.

Gleichzeitig machen wir aber einen ernsthaften Versuch, unsere Zukunft - wie man heute sagt - in den Griff zu bekommen oder, bescheidener formuliert, zu planen, was nach menschlicher Voraussicht planbar ist. Wie auch andere jüdische Gemeinden in der Schweiz und in der Golah ganz allgemein sieht sich die IGB einigen grundsätzlichen Problemen ausgesetzt, die man unter den folgenden Stichworten zusammenfassen kann: Wegzug junger Leute, vor allem nach Israel, als Folge davon ein gewisser Mitgliederschwund in der Gemeinde und eine beunruhigende Abnahme der Schülerzahlen in den jüdischen Schulen; finanzielle Engpässe angesichts des Wunsches, die gut ausgebaute Infrastruktur der Gemeinde aufrecht zu erhalten.

Einen Teil dieser Probleme wollen und können wir selber lösen. Die IGB ist eine attraktive Einheitsgemeinde, und Basel ist ein sehr attraktiver Arbeits- und Wohnort, gerade für junge Familien. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir die IGB auch numerisch wieder stärken können. Gleichzeitig meine ich aber, dass auch dem SIG, den wir heute und morgen empfangen dürfen, noch einige Aufgaben zukommen, wenn er seinen Namen - Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund zu Recht tragen will. Es gibt mehrere Gebiete, auf denen die jüdischen Gemeinden in der Schweiz - die kleinen, mittleren und grossen - unter Federführung durch den SIG sinnvoll und produktiv zusammenarbeiten können. In Bereichen wie Sicherheit, Ausbildung auf verschiedenen Stufen und Jugendarbeit bestehen - bei allen sozialen, religiösen und wirtschaftlichen Unterschieden zwischen den jüdischen Gemeinden in der Schweiz - ähnliche oder sogar gleichartige Bedürfnisse, die sich gemeinsam und koordiniert durch den SIG besser und wohl auch ökonomischer abdecken lassen.

Genug der Politik für den Moment. Ueber diese Themen können wir morgen an der Delegierten-Versammlung ausführlicher sprechen. Noch einmal: Seien Sie in Basel herzlich willkommen, wir hoffen, Sie fühlen sich bei uns wohl und können die nächsten 24 Stunden mit uns zusammen geniessen.

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